Rios Bürgermeister wollte Avengers Comic mit Kuss zwischen männlichen Superhelden Wiccan und Hulkling verbieten

10.09.2019 Marcelo Crivella ist der aktuelle Bürgermeister von Rio de Janeiro und obwohl in Brasilien sogar gleichgeschlechtliche Ehen seit sechs Jahren erlaubt sind, wollte er einen Comic mit einem harmlosen Kuss zwischen zwei männlichen Superhelden verbieten und beschlagnahmen lassen.

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Marcelo Crivella ist Evangelist, Bürgermeister von Rio de Janeiro und hält Homosexualität für eine Sache des Teufels: Vor wenigen Tagen wollte er einen Marvel-Comic verbieten lassen, weil sich darin zwei männliche Superhelden küssen, doch er scheiterte damit. Auch wenn Homosexualität an sich in Brasilien von staatlicher Seite kein Problem ist und gleichgeschlechtliche Ehen seit sechs Jahren erlaubt sind, verschärft sich die Lage im Land seit Marcelo Crivellas Amtanstritt immer mehr. Neuster Höhepunkt: Bei einer Buchmesse in der Stadt wollte der ehemalige Bischof einen Marvel-Comic – der eigentlich schon im Jahr 2012 veröffentlicht wurde – beschlagnahmen lassen. Die beiden männlichen Superhelden Wiccan und Hulkling küssen sich darin und er wolle damit Kinder vor „sexuellen Inhalten“ schützen. Dabei ist der Kuss vollkommen harmlos und beide Helden sogar vollständig bekleidet.

Die Entscheidung des Bürgermeisters fiel, nachdem der Stadtrat von Rio, Alexandre Isquierdo, eine Ausgabe des Comics in ein Meeting mitnahm und dort wohl rief: „Eine Warnung an die Eltern! Marvels Kinderbuch verbreitet Homosexualität an Kinder! Das Comicbuch wird auf der Buchmesse und in den Buchhandlungen versiegelt verkauft und die Eltern realisieren den Inhalt erst später. Ein schreckliches Verbrechen!“

Die Beschlagnahmung des Comics aus der „Avengers: The Children’s Crusade“ Reihe auf der Buchmesse  wurde zunächst sogar von einem Gericht erlaubt. Daraufhin entbrannte ein gewaltiger Protest und auch Bundesstaatsanwältin Raquel Dodge schloss sich diesem an. Ihre Argumentation: Rechtlich gesehen würde die Beschlagnahmung aufgrund von LGBTQ-Inhalten gegen die Meinungsfreiheit und den freien Gedankenaustausch verstoßen. Auch der Oberste Gerichtshof Brasiliens hat die Versuche des Bürgermeisters gegen den Comic vorzugehen, scharf kritisiert. In einem wichtigen älteren Urteil entschied der Oberste Gerichtshof bereits, dass LGBTQ-Publikationen nicht in dieser Form zensiert werden dürfen.

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Die ganze Aktion ging zudem für Marcelo Crivella nach hinten los: Der betroffene Comic war in kürzester Zeit vergriffen. Darüber hinaus kaufte ein berühmter YouTuber in Brasilien namens Felipe Neto rund 14.000 Bücher mit LBGTQ-Inhalten und verteilte sie als Zeichen des Protestes auf der Messe. Die Titel wurden in schwarze Folie gewickelt und mit dem Aufdruck „Dieses Buch ist unangebracht“ versehen. Auch die große brasilianische Tageszeitung „Folha de S. Paulo“ setze ein Zeichen: Sie druckte die küssenden Superhelden auf die Titelseite der Samstagsausgabe.

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