Warum nicht mal aus dem Märchenbuch? Sagengestalten mit Superheldentauglichkeit

25.06.2020 Märchen- und Sagengestalten waren vielfach Superhelden, lange bevor Superman, Wonder Woman oder Batman erfunden wurden. Und mit der richtigen Story würden sie auch heute noch bestens funktionieren.

Was haben die allermeisten Superhelden, um die es auch auf unserem Portal geht, ganz speziell jene mit eigenen Filmen, gemeinsam? Erstens, sie entstammen der Anglosphäre, meist den USA. Zweitens, selbst ihre ältesten Vertreter haben noch nicht den hundertsten Geburtstag gefeiert – immerhin beginnt das, was wir heute als Superheld verstehen, in jenen dunklen Jahren der großen Depression Anfang der 1930er.

Allerdings darf das nicht überdecken, dass die Idee eines übermenschlichen Helden praktisch so alt ist wie die Menschheit selbst – es ist anzunehmen, dass der Traum von übermenschlicher Leistungsfähigkeit bereits begann, als die ersten Menschen sich ihrer ganz menschlichen Limitierungen bewusst wurden. Der Rest ist buchstäblich nur schriftstellerisches Talent.

Genau das ist aber auch der Grund dafür, warum es sich lohnen könnte, nach vielen Jahren genuin amerikanisch-neuzeitlicher Superhelden künftig verstärkt nach älteren Märchen- und Sagengestalten zu schauen und sie in Form entsprechender Filme zu würdigen: Sie sind nicht weniger fantastisch, bloß älter. Dass das nicht langweilig sein muss, beweist der Klassiker „300“ ebenso wie es „Hänsel und Gretel – Hexenjäger“ oder „The Brothers Grimm“ tun. Also die actionreichen, teils gegenüber der geschriebenen Vorlage etwas frei interpretierten Umsetzungen klassischer Märchencharaktere. Doch wer würde sich denn neben den erwähnten Personen noch für filmische Umsetzungen in den 2020ern eignen? Dieser Frage sind wir für den folgenden Artikel nachgegangen.

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Wilhelm Tell

Viele Länder haben eine Gestalt, die sie verkörpert. Und was den USA Uncle Sam, ist den Schweizern Wilhelm Tell. Die breite Masse jenseits der eidgenössischen Grenzen kennt von ihm jedoch kaum mehr als das Geschichtsfragment, bei der er seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schoss. Dabei war die Gestalt Tell ein echter Freiheitskämpfer. Und selbst die Apfel-Geschichte ist wesentlich spannender als die meisten wissen:

Ein Herrscher ließ seinen Hut auf eine Stange stecken, quasi als Double für sich. Alle Untertanen sollten sich vor diesem Konstrukt verneigen. Bloß Wilhelm Tell tat es nicht. Also befahl der Herrscher, Tell müsse zur Strafe per Armbrust einen Apfel vom Kopf seines eigenen Sohnes schießen, andernfalls würden beide getötet werden. Das tat Tell auch zähneknirschend. Danach allerdings merkte der Herrscher, dass Tell zwei Pfeile eingesteckt hatte – wozu der zweite wäre, fragte er. Tells ziemlich coole Antwort: Wenn er mit dem ersten Schuss seinen Sohn getroffen hätte, hätte er mit dem zweiten den Herrscher umgelegt, der ihn zu all dem gezwungen hätte.

Klingt nicht nur cool, ist es auch. Kein Wunder, dass die Schweizer Wilhelm Tell lieben. Dort gibt es von ihm nicht nur Statuen, sondern er hat mittlerweile sogar eine eigene Slot-Machine, die sich über seriöse Schweizer Online Casinos im Test entdecken lässt. Bloß eins fehlt: ein actionreicher Streifen über den Freiheitskämpfer mit der Armbrust – eine frischere, unverbrauchte Variante von Robin Hood.

Rübezahl

Während bei Wilhelm Tell der Hintergrund ziemlich klar ist, fasert er bei jener sagenumwobenen Gestalt aus dem Riesengebirge auf der Grenze zwischen Polen und Tschechien schon deutlich mehr aus. Denn je nach Interpretation handelt es sich bei Rübezahl entweder um einen Riesen oder einen Berggeist.

Was jedoch bei den meisten seiner Geschichten immer wieder hervortritt, ist Rübezahls Art. Genau die macht ihn filmtauglich. Rübezahl ist nämlich ein recht launischer Zeitgenosse, der am liebsten seine Ruhe hätte und es Leute spüren lässt, wenn er sich gestört fühlt. Aber er hat auch ein großes Gerechtigkeitsempfinden. Mal hilft er armen Leuten, dann aber geht er den Reichen, vor allem wenn sie ihre Macht missbrauchen ans Leder – wer hier Ähnlichkeiten mit „Hancock“ oder „Deadpool“ sieht, irrt sicher nicht. Auch darin fände sich genug Material für einen Film – eigentlich sogar noch mehr.

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Die Bremer Stadtmusikanten

Esel, Hund, Katze und Hahn sind alt und sollen nach dem Willen ihrer jeweiligen Besitzer beim Schlachter landen. Damit beginnt eine im Kern ziemlich coole Geschichte, die viele Züge eines tierischen Buddy-Movies trägt. Alle sind alt, alle wollen mehr als den Tod – und sie folgen dem Esel, weil der den Traum hat, in Bremen Stadtmusikant zu werden.

Was das Ganze nicht nur komödien- sondern superheldentauglich macht, ist der zentrale Part der Geschichte: Das Quartett vertreibt gleich mehrfach ein Rudel Räuber, indem sich die Tiere aufeinanderstellen und ein fürchterliches Geschrei anstimmen. Nicht zuletzt dank ausgefeilter CGI ließe sich aus diesem Background viel mehr machen als bloß ein Kinderfilm.

Das tapfere Schneiderlein

Es dürfte nur wenige Leser geben, die mit dem Spruch „Sieben auf einen Streich“ nichts anzufangen wissen. Und abermals haben wir es hier mit einer Märchenfigur zu tun, die sich bestens zum gewitzten Superheld wider Willen eignen würde. Der arme Schneider mit nur wenigen Highlights in seinem Leben wird bei der Arbeit von sieben Fliegen gestört. Er nimmt einen Lappen und erledigt, mehr aus Zufall als Können, den ganzen Schwarm. Darüber freut er sich so sehr, dass er sich einen Gürtel mit den berühmten Worten bestickt.

Bloß: Alle, die das sehen, missinterpretieren es und glauben, der Schneider sei ein extrem fähiger Krieger, der sieben Gegner auf einen Schlag erledigt habe. Die Geschichte wird zum Selbstläufer, der Schneider wird als Kommandant beim König angestellt und bekommt von ihm den Auftrag, zwei das Königreich terrorisierende Riesen zu erledigen. Die Geschichte endet glücklich, weil der Schneider zwar nicht stark, aber so clever ist, dass er es schafft, die beiden Riesen gegeneinander auszuspielen.

Gerda aus „Die Schneekönigin“

Starke weibliche Heldinnen sind keine Erfindung der Neuzeit, die gab es auch schon früher. Eine bis heute leider wenig als Superheldin besungene Person ist jedoch Gerda. Die hat einen besten Freund, Kay. Bloß bekommt der eines Tages den Splitter eines Spiegels ins Auge, den der Teufel gemacht hatte, der ihm aber aus Unachtsamkeit zersprungen war. Das Problem: Die Splitter verwandeln diejenigen, die sie treffen, in eiskalte, bösartige Personen. So auch Kay. Und als wenn sein Charakterwandel nicht schon Story genug wäre, wird er von der bösen Schneekönigin mitgenommen, mit der er fortan in ihrem Palast im ewigen Eis zusammenlebt.

Gerade das will Gerda jedoch nicht zulassen. Sie will Kay retten und begibt sich auf einen langen, beschwerlichen und actionreichen Weg nach Norden, um Kay sowohl von der Schneekönigin wie den Splittern des Teufelsspiegels zu befreien. Zugegeben, dieses Märchen wurde zwar zuletzt 2014 verfilmt – aber eben in normaler Märchenmanier. Dabei böte sich auch hier eine ganze Menge Möglichkeiten, Gerda zur toughen Superheldin umzuschreiben, der für die Rettung ihres Kay kein Weg zu steinig, kein Räuber zu bösartig ist.

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